
Meiner dualistisch oxidentischen Beobachtung nach besteht jede zwischenmenschliche Beziehung aus hauptsächlich zwei Dimensionen: zum einen die rationale Dimension und zum Anderen die emotionale Dimension, welche erst mal der Erläuterung bedürfen.
Die Rationale Dimension einer Beziehung ist vor allem durch sachliche Diskussionen und Rationalisierungen von Gefühlen und Verhaltensweisen geprägt. Dies geschieht vor allem in Zuhilfenahme des verknüpften Denkens, also der Sprache.
Bei diesem Prozess begibt man sich auf eine Metaebene, welche es ermöglicht, eigene und fremde Gefühls- und Verhaltensmuster zu analysieren. Durch diese Verarbeitung ist es möglich, sein Handeln bewusst zu planen und sich zukünftige Ziele zu setzen. Diese Rationalisierungen von Emotionen machen es möglich, seine Emotionalität zu kontrollieren und auf lange Sicht Verhaltensänderungen anzustreben. Demzufolge ist die Rationale Dimension das Bindeglied zwischen Vergangenheit und Zukunft. Sie ermöglicht es, sich in das Denken von Mitmenschen einzuklinken, beispielsweise gemeinsame Interessen zu entdecken.
Trotzdem kann es durch die Rationalisierung auch dazu kommen, dass durch die Abstraktion der Kontakt zur Emotion, also dem Gefühl, abreißt. In diesem Fall werden die eigenen Bedürfnisse nicht mehr oder nur vermindert gehört und über die Dauer wie Wasser bei einem Damm aufgestaut. Irgendwann fängt der „unbefriedigte“ Geist an, sich selbst und seinen Körper „anzugreifen“ und psychische Störungen wie Depressionen oder „Burnouts“ entstehen. Parallel dazu kommt es auch häufig zu Somatisierungen, also „Verkörperlichungen“ von psychischen Leiden, welche sich beispielsweise als Kopfschmerz, Bauchschmerz, Verspannung oder andere Symptomatik bemerkbar machen.
Es zeigt sich also, dass ein gesundes Leben ohne die Integration der Emotionalen Dimension kaum vorstellbar ist. Da, wo die Rationale Dimension das Bindeglied zwischen der Vergangenheit und der Zukunft ist, stellt die Emotionale Dimension das Standbein für die Gegenwart dar. Demzufolge kann man in Sachen Emotionen auch nur in der Gegenwart ansetzen, indem man seine eigenen Emotionen bzw. die der anderen versucht zu erfühlen. Dabei ist die oft genannte Empathie der zentrale Schlüssel. Es geht darum, zwischenmenschlich ein Vertrauen aufzubauen, welches Schamgefühle, Sorgen und Ängste soweit entkräftet, dass die jeweilige Emotion, zum Beispiel der Ärger auf einen anderen Menschen, Raum hat, sich zu entfalten. Das Ziel ist es sprichwörtlich: „in die Schuhe des anderen zu schlüpfen“ und die Emotion mitzutragen.
Wie die Rationale Dimension hat auch diese selbstverständlich seine Stärken und Grenzen. So gibt es vermutlich kaum etwas heilsameres für den Geist und den Körper (neben einer gesunden Ernährung und Bewegung), als das zwischenmenschliche Teilen von Emotionen. Auf der anderen Seite kann einen die alleinige Fokussierung auf die Emotion auch daran hindern, einen Überblick über die Gesamtsituation zu erlangen. Folge davon kann die Wiederholung von Verhaltensmustern sein, welche nicht zur Befriedigung der eigenen Bedürfnisse führen.
In den Beziehungen gibt es meiner Beobachtung nach immer wieder Verbindungen, welche entweder von dem Fokus auf eine der beiden Dimensionen geprägt sind, oder diesen Fokus Phasenweise wechseln. Eine wirkliche Kongruenz beider Dimensionen, also der ausgeglichenen Doppelfokussierung, sowohl auf den Verstand, als auch auf das Gefühl, ist meines Erlebens etwas ganz besonderes und kommt eher selten vor.
In ihrer Vollendung als perfekte Symbiose zwischen dem Denken und dem Fühlen, ist die Vorstellung vermutlich eine Utopie, nichts desto trotz, halte ich sie für anstrebenswert. Denn je genauer dieses „2D-Tandem“ funktioniert, desto mehr Handlungsfreiheit ergibt sich sicherlich für die involvierten Personen im Rahmen ihrer Beziehung und darüber hinaus.
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