Ich bin gerade aufgewacht und habe Lust einfach mal ins Wilde hinein zu schreiben, was mir eben so durch den Kopf geht. Es ist nicht so, dass dies normalerweise groß anders ist, doch während des Schreibens komme ich oft in zähe Strukturen. Wie Schokolade werden Gedanken bei diesem Abkühlen fest. Ein angefangener Argumentationsgang wird ergänzt und zum nächsten übergeleitet. Das kann manchmal ganz schön entschleunigen. Dies tut gut, um sich in ein Thema tief rein zu denken, doch birgt es die Gefahr, dass das Schreiben mühsam wird und evtl. zu lesen. Gedanke an Gedanke wird kompakt wie Pressholz. Ich bin jedoch der Meinung, dass es manchmal auch gut tut einfach nur Sägespäne um sich zu werfen. Die Welt besteht schließlich auch nicht nur aus kompakten Stücken. Der Neuschnee diese Nacht hat mir dies nochmals bewusst gemacht. Er ist fluffig, schön anzuschauen und viel angenehmer zu Schneefiguren zu verarbeiten als der plattgetretene Schnee aus dem Vorjahr. Viele Leute mit denen ich gesprochen habe sind bereits Schneekrank. Sie können keine Schneeflocken mehr sehen. Mir geht es da anders. Ich finde frischen Schnee immer wieder belebend wie Gewitter nach einem schwülen Tag. Irgendwie reinigt er die Luft. Für mich ist er sogar regelrecht eine Katharsis. Ich fühle mich nach einer Nacht mit Schneefall wie nach einer ausgiebigen Dusche. All meine Probleme und Sorgen scheinen von Schwerkraft Erde auf Schwerkraft Mond umzuschalten. Plötzlich kann ich selbst in meinem Altbau mühelos an die Decke hüpfen. Auch meine grauen Zellen scheinen an Übertragungsgeschwindigkeit zu gewinnen. Die Übergänge von Neuron zu Neuron sind dann wie aus Guss gegossen. Zwar macht mir die erhöhte Gedankengeschwindigkeit und Leichtigkeit auch Schwierigkeiten die Kontrolle über meinen Körper zu behalten, doch es handelt sich erfahrungsgemäß eh nicht um einen Dauerzustand. Wie eine Tafel Schokolade ist sie schnell im Mund zerlaufen und auf wunderbare Weise verschwunden. Ich habe eher das Gefühl, dass ich es genießen muss, wenn ich schon mal eine solche Delikatesse vor mir habe. Denn wie alles ist der Schnee vergänglich. Er wird früh genug wieder schmelzen oder zu brauner Pampe verkommen. Deshalb lasst uns den Anblick genießen, solange er noch weiß und locker ist. Jeden Tag gibt es ein paar solcher entspannenden Stimmungsaufheller - die Déjà Vu Erlebnisse des Alltags. Es kann die vertraute Stimme eines Freundes oder einer Freundin sein, eine absurde Situation oder einfach nur herzlich behandelt zu werden. Im Zusammenspiel mit der täglichen Anspannung ergibt sich ein wunderbares Wechselspiel der Gefühle. Würde eins von beidem weg fallen, dann würde das andere keinen Sinn mehr machen. Irgendwann ist auch der schönste Urlaub kein Spaß mehr. Das habe ich vor allem beim Reisen bemerkt. Man kann nicht die ganze Zeit entspannen. Genauso wenig kann man die ganze Zeit arbeiten. Beides sind unmenschliche Situationen. Hat man die Gewissheit dieses Wechselspiels nicht, dann verliert man schnell die Hoffnung und desillusioniert. Ich bin wirklich froh, dass ich momentan wie eine Lampe an beide Pole einer Batterie angeschlossen bin. Eine angenehme Wechselspannung fließt durch meinen Körper. Nach einigen Jahren, die ich eher als Schocktherapie sehen würde, ist dies unglaublich wohltuend. Ich muss nun nur noch dafür sorgen, dass die Stromversorgung bestehen bleibt. Dafür werde ich nachhaltige Energiequellen für meine Batterie ausbauen und langsam erweitern. Ich hoffe darauf, dass dieser Blog auch weiterhin ein Teil meiner Stromversorgung bleibt.
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