Bin ich auf einem Trip in die Abhängigkeit? Kann Bloggen süchtig machen? Wie kann es sein, dass ich in den letzten Tagen an einem Stück Blogeinträge verfasse? Langeweile, neues Hobbie oder ein schwarzes Loch? Es ist kein Geheimnis, dass ich gerne und viel Rede, aber Schreiben war bislang nur der Feldweg neben der Autobahn. Ich habe es nie geschafft ein Tagebuch regelmäßig zu führen. Genaugenommen hatte ich fast nie eins. Auch mein letzter Blog ist schlussendlich an meiner Treulosigkeit verendet. Wäre das Schreiben eine Hauskatze, hätte sie sicherlich schon längst ihre 7. Leben verloren. Sie wäre vermutlich mehrfach verdurstet und verhungert. Umso erfreulicher ist momentan, dass es meiner Babykatze noch gut geht. Ich habe das Gefühl unsere Beziehung ist intensiver als die Beziehungen zu ihren Vorgängern. Besteht die Gefahr meine Katze zu sehr zu umsorgen, wenn ich sie so oft füttere? Kann sie davon krank werden? Ich gestehe, unter meiner Obhut ist mehr als nur eine Katze 7 Tode gestorben. Ich glaube jedoch, dass es diesmal anders ist, denn früher habe ich vor allem für andere geschrieben. Ich habe das verfasst, was ich glaubte, dass andere lesen wollten. Heute schreibe ich viel mehr was mich bewegt - also in erster Linie für mich. Das bedarforientierte Schreiben hat mich sowieso entfremdet und damit noch weiter von dem unerreichbaren "heiligen Gral" der Objektivität entfernt. Ich sehe mich beim Schreiben als Kompass, welcher versucht Richtung Objektivität zu zeigen. Leider gibt es viele Magnetfelder. Ich versuche zwar Abweichungen rückzuschließen, doch mein Kompass ist vermutlich so multipel irritiert, dass sich ein Verlaufen nicht vermeiden lässt. Zwar kenne ich ein paar Magnete, wie beispielweise die in den Lautsprechern meines Laptops, doch viel zu viele Magnetfelder sind mir nur halb oder gar nicht bewusst. Ich bin also in einem unendlichen Prozess der Kalibrierung und versuche dabei die Orientierung nicht ganz zu verlieren. Mir geht’s dabei wie der Hauptfigur in Platons Höhlengleichnis. Ich bin ohne Bewegungsfreiheit gegen eine halbhohe Mauer gefesselt. Auf der anderen Seite der Mauer, hinter meinem Rücken, brennt ein Lagerfeuer. Auf der Seite des Lagerfeuers laufen miteinander schwatzende Menschen vorbei. Sie tragen Bilder und Gegenstände und bewegen sich durch den Raum. Ich sehe nur die Teile des Schauspiels, welche die Mauer überragen und von Schatten an die Höhlenwand vor mir geworfen werden. Selbst die Stimmen sind durch die Mauer gedämpft und verzerrt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich die gesamte Szenerie in ihrer Komplexität durchschaue geht gegen Null. Vor allem wenn man bedenkt, dass die heutigen Menschen Gegenstände wie Mikrowellen, Mp3 Player und Netbooks besitzen. Um diese Veränderung gebührend zu berücksichtigen, lege ich dem Höhlen-Ich, damit die Informationsmöglichkeiten der Moderne auch dargestellt sind, ein paar Elektroartikel Betriebsanleitungen in den Schoß. Ein schöner Anblick nicht? Diese Betriebsanleitungen in meinem Leben sind Sachbücher, fiktionale Literatur und andere Blogs. Dazu kommen Dokumentarfilme, Indipendentfilme und aus der Reihe tanzende A-Movies. Fernsehen, Radio und Tageszeitungen versuche ich eher zu meiden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass vor allem Fernsehen wie ein Supermagnet wirken kann, welcher meine Kompassnadel so sehr zu sich reißt, das ich blind für andere Magnetfelder werde. Wie kein anderes Medium schaltet es meinen eigenen Kopf ab und beschallt mich vorwiegend mit überkontrastierten und verzerrt-künstlichen Darstellungen der Welt. Fernsehen ist als würde ich im Höhlengleichnis eine Prismabrille aufsetzen. Mit am subtilsten hat sich jedoch die Werbeindustrie in mein Leben geschlichen. Beinahe jedes Produkt ist selbst zum Werbeträger geworden, die ganze Stadt ist mit Plakaten, Leuchtreklamen und Folienwerbungen bepflastert. Ich werde auf der Straße von ‚Promotern‘ angesprochen, ja, sogar zuhause bekomme ich schon Anrufe und Spam von Ihnen. Die gesamte Prominenz, von Johannes B. Kerner bis Oliver Kahn, rührt die Werbetrommel und verspricht mir Superlativ über Superlativ: „Hiermit nehme ich in einer Woche 15kg ab, damit werde ich fit wie ein Spitzensportler, auf dieses Auto stehen die Frauen etc. pp.“ Diese ganze Firmenpropaganda stört mich zeitweise so ungemein, dass ich es auf mein Alter-Ego aus dem Hölengleichnis übertragen muss. Ich gebe ihm also zusätzlich noch einen schlecht eingestellten Radiosender auf ein Ohr. Da sitzt er nun mit einem Ohrstöpsel. Ich möchte an dieser Stelle kurz festhalten, dass es sich bei dem Höhlengleichnis nicht um die neusten Foltermethoden aus Guantanamo handelt, sondern um die optimistisch-realistische Selbsteinschätzung meiner eigenen Lebenssituation, in welcher ich relativ glücklich bin. Ich würde nur gerne ein paar Dinge ändern. Zu allererst sollen die Prismabrille und der Kopfhörer weg [...]
Ich glaube ich muss meiner Babykatze jetzt erst Mal eine Pause gönnen. Zu viel undosierte Aufmerksamkeit kann die Liebe auch schnell wie ein Strohfeuer abbrennen lassen. Wenn ich meine Vergangenheit mit Hauskatzen bedenke, ist es wohl besser hier vorsichtig zu sein. Eine lichterloh brennende Katze kann ich gerade nicht gebrauchen. Obwohl, damit würde sich zumindest das Problem mit der Beerdigung erledigen...
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