Kennen wir nicht alle den Ausspruch: „Es wäre ein guter Tag gewesen, wenn […] nicht […] gemacht hätte?“ Wer motzt nicht regelmäßig über Politik, Gesellschaft und Mitmenschen? Mir passiert das selbst ziemlich oft. Dabei gehe ich davon aus, dass Probleme gelöst werden können, wenn sich die Anderen ändern würden. Dabei werde ich aus Verzweiflung manchmal sogar zornig und zynisch. Ich konstruiere meine Feindbilder jeden Tag – meist unbewusst. Leider verändern sie meistens nicht den Anderen sonder mich. Es werden imaginäre Feine in meinem Kopf – mit einem Eigenleben. Sie sind nicht in der Lage mir Empathie zu entlocken. Sie zerfressen mich. In den dunkelsten Stunden beginne ich dann, an der Menschheit zu zweifeln. Ich frage mich warum jede Sekunde ein Kind an Hunger sterben muss, warum allein in Deutschland jährlich 8x mehr Tiere getötet werden als es Deutsche gibt oder warum fast 90% des Reichtums auf nur 10% der Weltbevölkerung verteilt ist. Der Schluss liegt nahe eine Verschwörung und eine Absprache dahinter zu vermuten. Die bösen Anderen sind dafür verantwortlich… Doch was bringt das? Selbst wenn es wahr sein sollte? Schlussendlich bin ich nur wütend und könnte eh mit keinem vermeidlich Verantwortlichen 'produktiv' ohne Schuldzuweisung reden. Vielleicht ist der/die Reiche auch nur von Geld wie ein Alkoholiker vom Hochprozentigen abhängig? Von der etwaigen Fleischsucht und der Sucht der Gewohnheit gar nicht zu sprechen… Ich will hier keine Stereotypen aufbauen, dafür sind die Thematiken zu komplex. Ich will nur für mich feststellen, dass die Veränderung nicht im Bösen des Anderen zu finden ist. Man kann nur die Lupe auf sich selbst lenken und sich fragen ob man mit seinem Leben zufrieden ist. Auch hier kann keine Veränderung erzwungen werden. Mit Selbstverboten wie bei unzähligen Diäten und Raucherentwöhnungen ist es schwer irgendwas zu ändern, selbst wenn man es noch so doll will. Die Frage sollte also nicht sein: „was will ich nicht“ sondern „was will ich“. Denn Veränderung ist eigentlich eine natürliche Sache, welche ohne große Kraftanstrengung gelingen sollte. Wenn man also beispielsweise auf Fleisch verzichten will, ist es notwendig andere Produkte zu finden die man mindestens genauso gerne isst. Das gleiche gillt für Produkte mit ausbeuterischem Produktionshintergrund. Trotzdem ist der Blick nach außen natürlich auch wichtig, doch der macht nur Sinn, wenn man Mechanismen in ihrer ganzen Vielseitigkeit versucht zu verstehen. Solange man sich nicht ansatzweise ins ganze Spektrum des Anderen hineinversetzen kann, wird man nur schwer Veränderung bei dem/der Anderen bewirken können. Es ist ähnlich wie mit der hartgefrorenen Butter und einem Metallstab. Erst durch Empathie fängt der Stab an sich zu erwärmen und kann sich in die Butter schmelzen. Ein kalter Stab prallt hingegen entweder ab oder hinterlässt oberflächliche Dellen – sowohl in der Butter, als auch im Stab.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen